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Die Idee zu dieser Ausstellung entstand, nachdem der Rothener Hof, zu dem die Ausstellungsmacher gehören, seine Offene Holzwerkstatt als Kleinprojekt entwickelt und gefördert bekommen hat. Die Beantragung und die Abrechnung waren im Vergleich zu vielen anderen Fördermöglichkeiten erfreulich unkompliziert.
Auf der web-Seite von Kleinprojekte fanden wir in der Liste der geförderten Projekte viele anregende Ideen und manchmal auch ausgefallene Pläne, selbst an sehr abgelegenen Orten, - so wie Rothen einer ist. Wir wurden neugierig und wollten diese Leute und ihre Vorhaben kennen lernen.

Zusammen mit der Regionalstelle der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung haben wir 12 laufende „Kleinprojekte“ aus diesen Listen ausgewählt, die möglichst die Vielfalt des Förderspektrums abbilden sollten. Dabei waren uns die „kleineren“ Orte wichtiger. Wir haben die InitiatorInnen und TeilnehmerInnen besucht, uns mit Ihnen unterhalten und fotografiert. Uns interessierte vor allem deren Motivation. Wir haben gefragt: Warum macht Ihr das, was wir hier sehen? Was war Euer Antrieb, was war der Grund? Wo seht Ihr Eure Erfolge? Wie würdet Ihr Eure Schwierigkeiten beschreiben, wo zeigen sich Eure Grenzen? Was hat Euch überrascht? Wie geht es nach dem Förderzeitraum weiter? Wo tun sich Chancen auf, wo wollt Ihr hin? Und warum bleibt Ihr hier? Das sind alles Fragen, die wir uns auch selber stellen.

Jeder Besuch, jedes Projekt war anders. Wir waren immer wieder überrascht. Manchmal hatte das, was wir gefunden haben, gar nicht in erster Linie mit dem zu tun, was wir uns nach dem Lesen der Projektanträge vorgestellt hatten. Aber immer wurden Isolationen aufgebrochen, sind Leute in Bewegung gekommen, Prozesse in Gang gesetzt worden. Oft sind es ganz grundlegende Bedürfnisse gewesen, die die Menschen zusammengebracht haben: sich zu treffen, aus dem Haus zu kommen, miteinander reden zu können, mal wieder gebraucht zu werden.

Großen Respekt haben wir vor den Frauen und Männern, die die Projekte angestiftet haben. Um sie kreist das gesamte Vorhaben. Wir haben erlebt, dass sie sehr genau planen und kalkulieren, dass sie den Haushalt, das Konzept, die Schwierigkeiten des Projektes klar vor Augen haben. Manchmal sind sie allerdings auch schwer überlastet. In 10 von 12 Fällen sind die Initiatoren Frauen, und das scheint kein Zufall zu sein, - auch wenn es so nicht reflektiert wird.

Wir haben die meisten Orte nur einmal für ein paar Stunden besucht, davor und danach oft noch einige Telefonate geführt. Aus den abgeschriebenen Interviews entstanden dann die Ausstellungstexte. Wir haben sie als gesprochene Rede dargestellt und dabei versucht, die verschiedenen Tonarten und die Stimmungen zu treffen, die wir erlebt haben. Es gibt ganz sicher Etliches, was wir nicht gezeigt haben. Ein vollständiges Abbild zu liefern war nicht unser Ziel.

Ein erster Vorabdruck der Tafeln wurde jeweils an die Projekte verschickt. Es war uns wichtig, dass hier nicht über sie berichtet und etwa gewertet wird sondern dass die Beteiligten tatsächlich selber zur Sprache kommen.

Interessant war, dass die ersten Reaktionen dann in vielen Fällen einem Muster folgten. Im Gespräch waren Probleme ganz offen benannt worden, Probleme, die oft weit über den Projektgegenstand und das direkte Umfeld des Projektes hinausgingen. Aber dass z.B. das Wohngebiet als sozialer Brennpunkt bezeichnet wurde, die Aussiedlerkinder als sehr schwierig, dass viel weniger Leute beim Projekt mitgemacht haben als ursprünglich geplant – das sollte dann doch so nicht dargestellt werden. Vielleicht ging es um die Rechtfertigung, die Fördergelder bekommen zu haben, vielleicht wollte man sein Projekt „schützen“... Dabei scheinen gerade diese wunden Punkte Ansatzpunkte fürs Weiterdenken zu sein. Hier kann eine große Chance der Ausstellung liegen, - Defizite, Problemfelder, Bedürfnisse werden sichtbar, weil sich Menschen in Bewegung gesetzt haben.

In diesem Land findet man abseits der großen Straßen viele Orte, an denen Menschen mit Energie, Ausdauer und Witz seit Jahren dabei sind, Neues auszuprobieren, Modelle zu entwickeln, Ideen zu verwirklichen. Wir haben erlebt, dass man manchmal darüber nicht mal im Nachbarort Bescheid weiß. Die Ausstellung will dazu beitragen, das Bild von Mecklenburg-Vorpommern um diese wichtige Facette zu bereichern. Gleichzeitig will sie die dargestellten Projekte würdigen und dazu ermutigen, Ideen aufzunehmen. Vielleicht werden ja auch Besucher dazu angeregt, eigene Pläne zu einem „Kleinprojekt“ zu entwickeln.
Ansichten und Nachsätze

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, das Programm, die Ausstellungsmacher

           
           
           
Wanderausstellung über geförderte Kleinprojekte in MV
 
 
Redaktion: Andrea Klein
Gestaltung, Layout: Martin Hoffmann
Fotos: Christian Lehsten
Ausstellungssystem: Achim Behrens
Druck: Thal - Grafikdesign